Bruno Bianchet: "Ich will ein Regierungsstatthalter für alle sein."

Avatar of SP Nidau SP Nidau - 10. September 2020 - Aus der Region, Abstimmungsvorlagen

Interview mit Bruno Bianchet, dem SP-Kandidaten fürs Regierungsstatthalteramt

Am 27. September findet die Regierungsstatthalterwahl des Verwaltungskreises Biel/Bienne statt. Wir haben uns deshalb für unsere Parteizeitung NIDAU.links mit unserem in Nidau aufgewachsenen SP-Kandidaten, Bruno Bianchet, zum Interview getroffen.

Interviw von Bettina Bongard, Präsidentin SP Nidau und Stadträtin

Bruno Bianchet, Du kandidierst als Regierungsstatthalter. Warum?

Ich bin ein Mann des Service Public. Mir ist es immer wichtig, dass der Bevölkerung gute Dienstleistungen geboten werden. Und dafür würde ich auch als Regierungsstatthalter eintreten. Mit meinen 20 Jahren Erfahrung der öffentlichen Verwaltung, viele davon als Abteilungsleiter, besitze ich auch die nötige Führungserfahrung und halte mich für die vielfältigen Aufgaben des Amts geeignet. Ich denke, ich könnte in dieser Schnittstellenfunktion viel zur guten Zusammenarbeit zwischen Kanton, Gemeinden und Bevölkerung beitragen.

„Ich bin ein Mann des Service Public.“

Unser bisheriger Regierungsstatthalter, Philippe Chételat, hat vor drei Jahren gegenüber dem NIDAU.links gesagt, man sei als Regierungsstatthalter ein Drittel Richter, ein Drittel Politiker und ein Drittel Ombudsmann. Wie passt du in diesen Mix?

Ich sehe vor allem die Rolle als Ombudsmann und Vermittler im Vordergrund. Das Ziel muss es sein, die involvierten Personen bei Problemen und Streitigkeiten an einen Tisch zu bringen und auf einer gemeinsamen Basis eine Lösung zu finden, die von allen Seiten akzeptiert werden kann. So verhindert man langwierige juristische Verfahren. Das ist auch meine Haltung als nebenamtlicher Richter am Obergericht. Natürlich muss man aber trotzdem vielfach Entscheidungen treffen, dies bin ich mir aber gewohnt.

„Das Parteibuch würde ich am Morgen jeweils zuhause lassen.“

Und was ist mit der politischen Komponente?

Natürlich spielen gewisse Werthaltungen eine Rolle. Wichtiger scheint mir aber, dass man einen gut gefüllten Rucksack an Erfahrung und gesundem Menschenverstand mitbringt und den rechtlichen Rahmen kennt. Ich will ein Regierungsstatthalter für alle sein. Das Parteibuch würde ich am Morgen jeweils zuhause lassen.

Wie würdest du deine Werthaltung umschreiben?

Ich bin jemand, der Menschen mag. Meine Überzeugung ist, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt nur möglich ist, wenn wirklich alle an der Gesellschaft teilhaben können. Die Schere darf nicht immer weiter aufgehen. Dafür brauchen wir einen starken Staat, wie wir gerade auch zurzeit mit Covid-19 erleben, um Krisen abzuwenden und zu bewältigen. Ich bin aber auch für eine starke Wirtschaft und entsprechend gute Rahmenbedingungen, um unseren Wohlstand zu erhalten. Ich bin überzeugt, dass sich diese Dinge nicht widersprechen.

„Dinge ermöglichen, statt sie zu verhindern.“

Konntest du bereits einmal etwas direkt umsetzen, das die Teilhabe von Menschen am Rande der Gesellschaft verbessert hat?

Ja, ich konnte schon ein paar Herzensangelegenheiten verwirklichen. Zum Beispiel der „Ditsch“. Früher befand sich ein „Alki-Treff“ direkt hinter dem Bahnhof, war dann dort aber nicht mehr tragbar und musste geschlossen werden. Die Leute fanden dann recht lange keine neue Möglichkeit, um sich zu treffen. Ich habe mich zur Verfügung gestellt, zusammen mit ihnen etwas Neues auf die Beine zu stellen. Nun gibt es seit ein paar Jahren den neuen, selbst verwalteten Treff beim Bahndamm, der über einen Verein läuft und von der Gassenarbeit mitbetreut wird. Das ist übrigens ein gutes Beispiel für die Rolle des Regierungsstatthalters: Hätte er auf die Einhaltung sämtlicher rechtlicher Bestimmungen im Bau- oder Betriebsbereich gepocht, dann wäre das unmöglich gewesen. Man hat das aber pragmatisch angeschaut und darum eine Lösung gefunden. Genau darum geht es: Dinge ermöglichen, statt sie zu verhindern.

Philippe Chételat sagte vor drei Jahren auch, wie wichtig ein direkter Draht zur Bevölkerung sei. Wie verbunden bist du mit der Region? Woran zeigt sich das?

Ich bin jemand, der gerne draussen unter den Leuten ist, auch mit der ganzen Familie. Speziell im Jura und entlang des Sees sind wir oft unterwegs. Wir sind hier aufgewachsen, haben viele Freunde in der Region. Einfach gesagt: hier ist unser Zuhause. Grundsätzlich sehe ich es gleich wie Philippe: den Regierungsstatthalter muss man kennen, man darf keine Berührungsängste haben. Mir macht es immer Freude, mit Menschen in Kontakt zu kommen und deren Emotionen direkt auf dem Terrain mitzubekommen, auch wenn es manchmal Sorgen und Nöte sind. Ich freue mich darum auch auf den Wahlkampf.

„Je me considère comme une personne bilingue.“

Wie steht es um dein Französisch?

Je me considère comme une personne bilingue, sinon je ne serais pas chef de service à la ville de Bienne. Dans mon service, 43% des employé(e)s sont francophones. Dans mon travail quotidien, je suis donc habitué à communiquer en français.

Du engagierst dich verwaltungsintern unter anderem auch als Co-Präsident des Personalverbands und in der Verwaltungskommission der städtischen Pensionskasse. Wieviel Freizeit bleibt da noch?

Ich bin unter der Woche eigentlich recht ausgelastet und einige Abende weg von der Familie. Aber die Familie steht hinter mir, auch betreffend Kandidatur als Regierungsstatthalter. Mir sind die Themen im Personalverband wichtig. Ich bin ein Verfechter des Service Public, und entsprechend setze ich mich dafür ein, dass die Angestellten der Stadt auch gute Rahmenbedingungen für ihre Arbeit vorfinden.

„Führung muss darum als Wechselwirkung zwischen den Mitarbeitenden und sich selbst betrachten werden.“

Seit 2006 bist du in Führungsfunktionen tätig und hast auch Führungs- und Managementausbildungen absolviert. Was bedeutet für dich nach all den Jahren "Führung"?

Gute Führung ist für mich, dass man sich selbst nicht zu wichtig nimmt und sich nicht über alles stellt. Ich versuche darum, Hierarchien flach zu halten und meinen Mitarbeitenden ein passendes Mass an Verantwortung zu übergeben. Dafür braucht es ein gewisses Gespür. Führung muss darum als Wechselwirkung zwischen den Mitarbeitenden und sich selbst betrachten werden. Es ist ein ständiges Lernen. Mit diesen Grundsätzen habe ich gute Erfahrungen gemacht.

„Mir wurde einfach bewusst, dass ich direkt mit und für Menschen arbeiten will.“

Deine berufliche Laufbahn ging in frühen Jahren mal in Richtung Informatik. Wie ist aus dem Informatiker von damals ein Abteilungsleiter im Sozialbereich geworden?

Der Informatiker damals hat gemerkt, dass er nicht zufrieden ist nur mit einem Büro und einem Computer. Mir wurde einfach bewusst, dass ich direkt mit und für Menschen arbeiten will. Das war ein Prozess, während dem ich auch einiges ausprobiert habe. Ich war unter anderem auch Segellehrer und arbeitete ein paar Wintersaisons in Zermatt, bevor ich dann in die Ausbildung als Sozialpädagoge eingestiegen bin und danach noch einen Masterabschluss im Managementbereich angehängt habe.

Schon während mehr als einem Jahrzehnt bis du auch als Fachrichter tätig, zuerst beim Jugendgericht, dann beim Obergericht. Warum tust du dir dies auch noch an?

Ich arbeite seit langer Zeit im Bereich der gesetzlichen Sozialarbeit, und dort ist es sehr wichtig, dass man einen guten Bezug zum Recht und zur aktuellen Rechtsprechung hat. Das interessiert mich. Ausserdem ist es gerade im Kindes- und Erwachsenenschutz essentiell, die an den Prozessen Beteiligten ins Boot zu holen, damit möglichst tragfähige Lösungen für alle gefunden werden können. Diese Fähigkeit, sozusagen als Mediator zu wirken, ist mir sehr wichtig und da bringe ich auch viele Kompetenzen mit. Ich bin überzeugt, dass dies genau das ist, was beim Regierungsstatthalteramt gefragt ist.

„Gesetze zu interpretieren gehört zu meinem Alltag.“

Das Regierungsstatthalteramt ist thematisch vor allem in den Themenfeldern Gemeindeaufsicht, Bau, Gastgewerbe, Erbschaften und öffentliche Sicherheit tätig. Welche Bezüge hast du dazu?

Das Erbschaftsamt der Stadt Biel ist meiner Abteilung angeschlossen, das heisst, dass ich dort bereits sehr gut weiss, worum es geht. Ein wichtiges Thema im Bereich der öffentlichen Sicherheit ist häusliche Gewalt, wo der Regierungsstatthalter eine Koordinationsaufgabe inne hat. Da war ich bereits beteiligt. Durch meine langjährige Berufserfahrung als Abteilungsleiter in der öffentlichen Verwaltung kenne ich die Anforderungen im Bereich der Gemeindeaufsicht und wurde diesbezüglich auch noch vor nicht allzu langer Zeit auditiert. Und zu guter Letzt sind meine juristischen Kenntnisse der Sozialhilfegesetzgebung auch sehr relevant. Denn einerseits ist das Regierungsstatthalteramt die Beschwerdeinstanz für Sozialhilfebeziehende, und andererseits habe ich dadurch einen Bezug zu anderen Gesetzgebungen. Gesetze zu interpretieren gehört zu meinem Alltag.

„Meinen ersten Job hatte ich für 50 Rappen in der Stunde beim Holzofen-Beck Gnägi in Nidau.“

Du hast deine gesamte obligatorische Schulzeit in Nidau absolviert, bist also eigentlich ein Nidauer. Was ist aus deiner Sicht in Nidau noch wie damals, was hat sich verändert?

Mein Quartier, das Beunden-Quartier, hat sich sicher stark verändert. Geblieben sind viel Verkehr im Stedtli, und meine obligaten Schwümme im Nidau-Büren-Kanal vom Balainen bis fast zur Wehrbrücke. Geblieben sind viele, gute Kindheits- und Jugenderinnerungen. Meinen ersten Job hatte ich für 50 Rappen in der Stunde beim Holzofen-Beck Gnägi in Nidau, ich half auch bei der Migros und bei Lüdi Kolonialwaren aus. Ausserdem ging ich in allen Nidauer Schulhäusern mal zur Schule. Im Schloss und im Turm beim Kindergarten haben wir gespielt und sind rum geklettert.

Aus dem Freundschaftsbuch

  • Lieblingsessen: Alle Pasta- und Fischgerichte
  • Lieblingsautor: Martin Suter
  • Lieblingsfilmstars: Robert De Niro, Bruno Ganz, Jodie Foster, Michael Douglas
  • Lieblingsmusik: Lo & Leduc, Stephan Eicher
  • Lieblingsmotto: «Um klar zu sehen, reicht oft ein Wechsel des Blickwinkels»

Aus dem Lebenslauf

  • Abteilungsleiter Kindes- und Erwachsenenschutz, Soziale Dienste der Stadt Biel/Bienne
  • Fachrichter am Obergericht des Kantons Bern
  • Personalverband der Stadt Biel/Bienne, Co-Präsident
  • Pensionskasse der Stadt Biel/Bienne, Vize-Präsident der Verwaltungskommission

Dieses Interview ist ein Vorauszug aus der aktuellen Ausgabe unserer Parteizeitung NIDAU.links, welche am 16./17. September 2020 in ganz Nidau verteilt werden wird.

Alle bisherigen Ausgaben des NIDAU.links findet man hier. Die neueste Ausgabe wird am 16. September 2020 aufgeschaltet.

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